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„Der Kardinalfehler ist, nicht vorbereitet zu sein“

Was können Mittelständler tun, um sich auf Krisen vorzubereiten? Unser Kollege Thorsten Diehl, Trainer und Kommunikationsexperte bei Commha Consulting, steht im Interview Rede und Antwort.

Thorsten, was ist überhaupt eine Krise?

Eine Krise ist eine außergewöhnliche Situation für eine Organisation. Sie kommt oft ungeplant und überraschend. Häufig entwickeln sich Krisen sehr dynamisch. Sie sind schwer zu steuern und komplex; ihre Folgen lassen sich kaum überschauen. Und sie können bedrohlich werden – für die Existenz oder die Reputation einer Organisation. Die betroffenen Personen stehen während einer Krise deshalb oft unter einem hohen Entscheidungsdruck; gleichzeitig ist die Öffentlichkeit an der Situation interessiert. Dementsprechend ist das Verhalten dieser Personen entscheidend dafür, wie die Krise außerhalb der Organisation wahrgenommen wird.

Wie gut ist der Mittelstand deiner Erfahrung nach auf solche Situationen vorbereitet?

Das ist sehr unterschiedlich: Wenn ich den Vergleich mit großen Konzernen ziehe, haben die oft ein sehr ausgeprägtes und systematisches Krisenmanagement und entsprechende Pläne in der Schublade. Das findet man beim Mittelstand eher weniger.

Woran liegt das deiner Ansicht nach?

Das ist zum einen schlicht eine Ressourcenfrage. In vielen mittelständischen Unternehmen, vor allem in produzierenden, liegt der Fokus darauf, Aufträge zu akquirieren und abzuwickeln. Man schaut, dass das Geschäft läuft und hat wenig Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zum anderen hat das etwas mit Verdrängung zu tun: Es gibt da zwar vielleicht Themen mit Krisenpotenzial, aber damit möchte ich mich eigentlich gerade jetzt, wo alles gut läuft, lieber nicht beschäftigen. Das ist die psychologische Komponente. Mit kritischen Themen befasse ich mich weniger gerne als mit denen, die erfolgreich laufen.

Welche Situationen können bei mittelständischen Unternehmen zu einer Krise führen?

Das kann eine Standortschließung, ein drastischer Einbruch der Umsätze, ein Liquiditätsengpass sein – aber auch der Brand in einer Werkshalle oder Qualitätsmängel in der Produktion, etwa in Sachen Hygiene. Ob sich eine solche Situation zu einer echten Krise auswächst, hängt entscheidend davon ab, wie ich reagiere. Und darauf kann ich mich vorbereiten, indem ich mir im Vorhinein schon überlege: Wie reagiere ich, wenn ein Thema plötzlich akut wird? Wie kann ich dann mit Mitarbeitern, Anwohnern oder Investoren so kommunizieren, dass sich eine Situation nicht zur Krise auswächst?

Was kann ich als Mittelständler tun, um mich vorzubereiten?

Was ich normalerweise rate: sich die Zeit nehmen zu überlegen, welche Themen mit Krisenpotenzial es für meine Organisation gibt. Sinnvollerweise tun sich dazu Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Organisation zusammen, sammeln und nehmen eine Einstufung vor: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Ereignis X überhaupt eintritt? Und welchen Einfluss hätte das dann auf die Organisation?

Welche Fehler machen Organisationen typischerweise in einer Krisensituation?

Ich glaube, der Kardinalfehler ist, nicht vorbereitet zu sein – dass man keinen Plan hat, wie man in dieser Situation vorgeht, dass man keine geschulten Sprecher hat und dass überhaupt nicht klar ist, wer eigentlich was zu machen hat, welche Zuständigkeiten es gibt. Wer spricht mit der Presse? Wer mit Mitarbeitern? Wenn das nicht klar ist, geschehen leicht Fehler, die die Situation negativ beeinflussen. Gegenüber den Medien passiert es beispielsweise häufig, dass Schätzungen abgegeben werden, etwa „Wir werden das Problem in drei Tagen gelöst haben“ – obwohl zu dem Zeitpunkt die Tragweite des Problems noch gar nicht klar ist.

Im September bietest du ein eintägiges Training für Mittelständler zum Thema Krisenkommunikation an. Was lernen die Teilnehmer?

Es geht darum, sich die Charakteristika von Krisen klar zu machen, also was ist typisch Krise? Und was sind überhaupt typische Krisenthemen in KMUs? Wie kann ich in meiner Organisation dafür sorgen, dass solche Themen frühzeitig erkannt und Strategien für Krisensituationen erarbeitet werden? Welche Tools brauche ich dafür? Wie entwickele ich ein Szenario? Und es gibt auf jeden Fall Tipps, wie man in einer Krise richtig kommuniziert. Denn Kommunikation ist letztlich der wichtigste Schlüssel für eine erfolgreiche Krisenbewältigung.

Vielen Dank! Und viel Erfolg bei deinem Training September!

 

Das Angebot ist nicht mehr aktuell (4. September 2018)

Hier geht es zur Anmeldung für das eintägige Seminar „Krisenmanagement und -kommunikation für KMUs“ in Heidelberg