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Letzte Nacht in Schweden

Über das spannungsreiche Verhältnis von PR und Wahrheit

Ja, es gibt sie wirklich: Wunderliche Parallelwelten wie in Christopher Nolans Inception, in denen der erste Blick oft trügerisch ist. Hier geraten Wirklichkeit und Traum, Reales und Ersponnenes derart durcheinander, bis ihre Trennlinien im Nebel des Postfaktischen verschwimmen. Ein paar Klicks im Netz ebnen den Weg in eine Welt, in der letzte Nacht in Schweden ein Terrorangriff verübt wurde und Renate Künast ihr Mitgefühl für einen Mörder in 140 Zeichen zwängt.

Wem sich dabei die Haare sträuben: Ruhig Blut, es geht nur um Fake News. Falschmeldungen, wie sie Verschwörungstheoretiker und manche Staatsmänner vom digitalen Stapel lassen. Sie verfolgen durch und durch unjournalistische, weil propagandistische Absichten: Von der sogenannten character assassination, also der gezielten Rufschädigung einer Person, bis hin zur unbefugten Beeinflussung politischer Ereignisse – mit desaströsen Folgen für seriöse Medien, deren Ansehen dahinschmilzt wie Eis in der Sommerhitze.

 

Fake News und die PR

Ein ähnliches Schicksal ereilt die Öffentlichkeitsarbeit: Als interessengeleitete Kommunikation hat PR seit je her mit den Vorwürfen der Schönfärberei und Tatsachenverdrehung zu kämpfen. Dessen ist sich die Branche voll bewusst. Wie sonst ließe sich erklären, dass Agenturen sich dezidiert davon abgrenzen und sich wie das Unternehmen „XXXXX“ als No-bullshit-Dienstleister profilieren? Denn das mit dem Bullshit ist so eine Sache, haftet ihm doch etwas ziemlich Halbseidenes an. Bereits 1986 formulierte der US-amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt in seinem pointierten Essay On Bullshit treffend, dass “the essence of bullshit is not that it is false but that it is phony. […] The bullshitter is faking things. But this does not mean that he necessarily gets them wrong.“

Als sehr wohl falsches Spiel bezeichnen manche Kritiker die PR. Dass das verbale Bombardement auch aus den eigenen Reihen erfolgt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: So meinte ein für seine unverblümte Sprache bekannter Ex-Chefkommunikator von VW einmal lapidar, PR-ler hätten das Recht zur Lüge. Der PR wird dann schnell jegliche Relevanz abgesprochen – stets im Gegensatz zum vermeintlich objektiven Qualitätsjournalismus. Diese Geringschätzung spiegelt auch eine jüngst veröffentlichte Studie, der zufolge nur neun Prozent der Deutschen Vertrauen in die Aussagen von Unternehmenslenkern haben.

 

 

Lügen ist kein Geschäftsmodell

Produziert die PR also nichts als heiße Luft? Nein, denn nicht zuletzt mit Blick auf authentisches Storytelling erweist sich dreistes Lügen als Sackgasse. Eine gefakete Geschichte würde sich nicht lange halten, ist der entlarvende Faktencheck doch oft nur einen Klick entfernt. Kein professioneller PR-ler wäre so unverfroren – geschweige denn so dumm – plumpe Unwahrheiten zu verbreiten. Schließlich drohen beim Platzen der Lügenblase irreparable Reputations- und wirtschaftliche Verluste. PR lebt vom Vertrauen; sich dieses zu erarbeiten erfordert lange, harte Arbeit. Einer Geschichte einen Dreh im eigenen Sinne zu geben, macht sie auch noch lange nicht zur Propaganda: Schließlich dienen solide Anwenderberichte und Pressemitteilungen nicht dazu, die Konkurrenz bloßzustellen und die eigenen Lösungen zu überhöhen.

Unbestritten bleibt, dass der Grat zwischen legitimer Anpreisung und verantwortungsloser Desinformation in der PR manchmal sehr fein ist. Doch die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern belegt, dass wirkungsvolle Kommunikation auch ohne Bullshit gelingt.

 

Was denken Sie über das Verhältnis von PR und Bullshit? Lassen Sie es uns wissen!

 

Bildquelle: www.pixabay.com