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Wem der Gong schlägt: Barcamp-Erfahrungsbericht

„Wirst du gongen?“ – „Ja, ich gonge.“ – „Zwei Gongs heißt: Der Marktplatz beginnt. Ein Gong: Wechsel zum nächsten Marktstand.“ Thorsten hält den goldenen Gong in der Hand und testet den Sound. Der Gong gongt hervorragend, und das Barcamp auf der Depak-Tagung zu internen Kommunikation in Berlin beginnt.

130 Kommunikationsexperten hatten vor und während der Veranstaltung Dutzende Themen eingereicht: „Wie erreiche ich Mitarbeiter inmitten der Kommunikationsflut?“, „Nutzung von Analytics für interne Kollaboration – wie überzeuge ich den Betriebsrat?“, „Wie lässt sich interne Kommunikation so umsetzen, dass sie nicht als lästig und zeitraubend empfunden wird?“ oder „Fehlerkultur in Unternehmen und Organisationen: Welchen Beitrag kann interne Kommunikation zu einer offenen Fehlerkultur leisten?“.

Selbstorganisierte Gruppen

Wir von Commha Consulting haben die Aufgabe, die interessierte Meute in Austausch zu bringen. Ein Barcamp sollte es sein, hatte die Veranstaltungsleitung entschieden. Also brüten wir: Wie pressen wir ein Format, das eher einen Tag dauert, in einen 90-minütigen-Slot? Frieder, Thorsten und ich sind uns einig: gar nicht. Also knobeln und basteln wir und entwickeln eine Art Speed-Barcamp: Die Großgruppe teilt sich nach Interessen in bis zu neun Kleingruppen, die in Eigenregie, aber mit engem Zeitmanagement unsererseits, ihr gewähltes Thema abklopfen, auswringen und weiterdenken.

Die Teilnehmer stimmen über die Themen ab. Ich übernehme die beiden Wahlgewinner „Team-Agilität in behördlichen Arbeitsstrukturen“ und „Wie schafft man Akzeptanz für interne Kommunikation bei allen Mitarbeitern?“.

Unstrukturierte Meetings? Einfach mal gehen!

Was tun gegen unstrukturierte und alles andere als agile Meetings? Einfach mal den Meetingraum verlassen, wenn weder Agenda noch Meetingziele klar sind, rät ein Teilnehmer. Oder wie wäre es mit kurzen täglichen Meetings im Stehen, sogenannten Dailies, statt Sitzfleischdauertest? Wieso nicht mal mit der internen Kommunikation ins Influencer-Marketing einsteigen und Fürsprecher gewinnen? Oder den Mehrwert der eigenen – unterschiedlichen – internen Kommunikationskanäle darstellen?

Eine Stunde Zeit haben die Teilnehmer für „ihr“ Thema. Moderationskarte um Moderationskarte spießen sie auf ihre Metaplanwand, hängen sie um, zeichnen Pfeile und Linien, streiten über Maßnahmen und nächste Schritte. Die Moderatoren in jeder Kleingruppe haben, sofern männlich, ihr Jackett längst ausgezogen, die Ärmel hochgekrempelt.

Ich bin für die Gruppen da, wenn sie mich brauchen, und lausche ansonsten ihren Diskussionen. Thorsten und sein Gong betreten den Raum. „Zeit für den Marktplatz“, sagt er und gongt. Die Teilnehmer flanieren von einem Marktstand zum nächsten: Führungskräfte- und Strategiekommunikation, Formate, Change erlebbar machen, Kulturwandel begleiten – der Markt hat ein breites Angebot. Alle fünf Minuten ertönt ein sonores „Wommmmmmmhhhh“. Die Teilnehmer wuseln durch Räume und Gänge. „Funktioniert alles?“, fragt Thorsten. „Läuft“, sage ich. Gong. Ende.