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Nähe auf Distanz: Wie gelingt Personalentwicklung virtuell?

Rückblende: Herbst 2017
Frisch aus der Ausbildung zum Systemischen Coaching bin ich voller Ideen und Tatendrang, unsere interne Personalentwicklung bei Commha Consulting auf den Weg zu bringen. Die Idee: jährliche Entwicklungsgespräche mit Coaching-Charakter – Gespräche in vertrauensvoller Atmosphäre, um sich lösungsorientiert mit der eigenen Entwicklung auseinanderzusetzen. Der Rahmen für diese Entwicklungsgespräche ist für mich ganz klar: Ich treffe meine Kolleg*in in einem schönen Raum, in dem wir uns wohlfühlen. Wir nehmen uns Zeit, beschreiben Flipcharts, Tafeln und bunte Karten, bewegen uns im Raum, arbeiten miteinander sozusagen auf Tuchfühlung.

Bald zeigt sich: Der Plan geht auf, die Gespräche funktionieren gut, sie etablieren sich, werden ein fester Bestandteil unserer Personalentwicklung. Mir macht es großen Spaß, Kolleg*innen auf ihrem Weg bei Commha zu begleiten, ihnen gute Fragen zu stellen und passende Methoden anzubieten. So kann es gerne weiter gehen, denke ich…


Gegenwart: Frühjahr 2020
„Kannst du mich gut hören und sehen?“, „Wie stabil ist deine Internetverbindung?“ und „Sind deine Kinder versorgt, damit du in Ruhe sprechen kannst?“
Mit solchen Fragen steige ich in meine ersten virtuellen Entwicklungsgespräche ein. Wie für viele andere Bereiche auch, gibt plötzlich die Corona-Pandemie den Rahmen vor – und fast über Nacht entwickeln wir Konzepte und erproben digitale Umsetzungen für personale Formate, die wir kurze Zeit vorher noch als „nur schwer digitalisierbar“ beschrieben hätten. Für meine Personal-Kollegin Barbara und mich steht außer Frage, dass wir die Entwicklungsgespräche während der Zeit im Homeoffice nicht aussetzen wollen – also muss rasch eine virtuelle Adaption her.

Vorbereitete Leitfragen und Übungen in PowerPoint und auf Whiteboards zu übertragen, ist schnell getan. Auch Skalenabfragen lassen sich mit der Umfragefunktion unseres Besprechungstools adaptieren. Aber wie sieht es mit der vertrauensvollen Atmosphäre, wie mit dem gemeinsamen Erleben im Raum aus? Gelingt es mir, auch auf Distanz Fragen zu stellen, die mein Gegenüber weiterbringen und zu neuen Gedanken anregen?


Gut strukturiert
Die ersten Gespräche stimmen mich positiv. Die digitalen Hilfsmittel haben ihre Vorteile: Ich kann schnell Bilder aus dem Internet raussuchen und meiner Gesprächspartner*in als Impuls auf das Whiteboard geben. Die Ergebnisse unseres Gesprächs kann ich gemeinsam mit der Kolleg*in am Whiteboard visualisieren. Das klappt sogar besser als am Flipchart, denn Gesprächspunkte lassen sich von beiden Teilnehmenden leicht herumschieben, clustern und ergänzen. Außerdem leidet die Dokumentation nicht unter meiner Handschrift.

Und die Gesprächsführung? Ich habe das Gefühl, mich häufiger versichern zu müssen, ob ich mein Gegenüber richtig verstanden habe. Selbst wenn wir beide die Kamera angeschaltet haben, fehlen mir die Nuancen der realen Kommunikation, eine feine Veränderung der Körperhaltung oder ein aussagekräftiger Blick. Doch darin liegt auch eine Chance: Ich trainiere das aktive Zuhören, nehme mir vor, mein Verständnis des Gesagten häufiger zu paraphrasieren und damit meiner Gesprächspartner*in zusätzlich Impulse zu geben. Ich konzentriere mich noch mehr auf den Inhalt und bleibe direkter am Gespräch dran. So gelingen auch im virtuellen Raum die „guten Fragen“.


Gemeinsame Wirklichkeit
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass unsere virtuellen Entwicklungsgespräche etwas nüchterner als die analogen Gespräche sind. Das gemeinsame Erleben verändert sich – am Whiteboard und in der digitalen Zusammenarbeit entsteht für mich aber durchaus eine gemeinsame, geteilte Wirklichkeit, wenn auch mit weniger physischer Tiefe. Der eigentliche Mehrwert der Gespräche bleibt jedoch unverändert: Sich einmal im Jahr eineinhalb Stunden für sich zu nehmen, über Vergangenes und Stärken zu reflektieren und einen Blick in die eigene berufliche Zukunft zu werfen. Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie gewinnbringend diese kurze Zeit sein kann – und das unabhängig davon, ob solche Treffen im realen oder virtuellen Raum stattfinden.

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